Sonderausschuss zur Geburtshilfe, Hebammenversorgung, Frauen- und Elternpolitik

17.03.19

Die Situation von werdenden Eltern und ganz besondere Frauen hat sich durch die Schließung des Kreißsaals in der Helios-Klink Nordenham hier im Landkreis weiter zugespitzt. Zugespitzt ist das richtige Wort, denn Geburtsvorbereitungskurse, Schwangerschaftskurse oder gar Stillkurse werden kaum bei uns angeboten. Fast alle werdenden Eltern kennen die Situation, dass es immer schwerer wird eine Hebamme zu finden. Manche finden auch keine.

Hebammen, beklagen seit Langem die mangelnde soziale, wie auch finanzielle Anerkennung für ihre wichtige Arbeit. Mit der Schließung der Geburtsstation in Nordenham gibt es aber auch weitere Probleme: damit schließt auch die letzte medizinische Einrichtung in der Region, in der noch Abtreibungen bis zur 12. Woche durchgeführt werden.

Wir von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN bitten den Kreistag daher darum, Hebammen, ihre Verbände, Schwangerschafts(konflikt)beratungsstellen, Frauen- und Elternverbände an einen öffentlichen Tisch zu holen um gemeinsam langfristige Maßnahmen zu erarbeiten, die die Situation von werdenden sowie jungen Eltern, schwangeren Frauen im Besonderen und praktizierenden Hebammen hier im Landkreis weiter verbessert.

Dies wollen wir wie folgt sichern:

1. Situation von Schwangeren, werdenden und jungen Eltern in der Wesermarsch Elterninitiativen, Hebammen und Beratungsstellen werden gebeten, die Situation von Schwangeren, werdenden und jungen Eltern in der Wesermarsch aus ihrer Perspektive darzustellen. Die Verwaltung wird ferner gebeten, das in der Wesermarsch vorhandene Angebot von Schwangerenberatung, Geburtsvorbereitungskurse über Gynäkolog*innen, praktizierenden Hebammen bis hin zu Still-, Baby- und Elternkursen vorzustellen.

2. Situation von Hebammen und Hebammenausbildung Der Hebammenverband Niedersachsen hat einen Mangel im stationären und ambulanten Bereich in von 20 bis 30% ermittelt. Gleichzeitig schätzen sie, dass rund ein Viertel aller praktizierender Hebammen in den nächsten 10 Jahren in Rente geht. In der Hebammenschule Oldenburg schließen allerdings maximal 15 Teilnehmer*innen alle 3 Jahre die Ausbildung ab. Deutschland ist der einzige EU-Mitgliedsstaat in dem die Hebammenausbildung nicht akademisiert ist. Während die Eingangsvoraussetzung für die Ausbildung bereits das Fachabitur nach der 12. Klasse ist, wurde die Ausbildung noch nicht an die Hochschule überführt. Spätestens am 18. Januar 2020 muss Deutschland die EU-Richtlinie umgesetzt haben. Die Fraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN beantragt daher, Vertreterinnen des Hebammenverbandes Niedersachsens sowie die Leiterin der Hebammenschule Oldenburg (oder eine Vertretung) in den Ausschuss zu laden um, a. Die Ausbildung von Hebammen darzustellen b. zu erläutern welche Chancen und Hürde in der geplanten Akademisierung aus ihrer Sicht bestehen c. ihre Positionen zum Hebammenmangel und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen dem Ausschuss vorzutragen Sollten Vertreterinnen der beiden Institutionen verhindert sein, bitten wird die Verwaltung darum, diese Positionen zu erfragen und dem Ausschuss schriftlich zur Verfügung zu stellen.

 

Ferner beantragt die Fraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN

1. Erstellung eines digitalen Angebots „Eltern werden, Eltern sein in der Wesermarsch“ Eine Vielzahl von Hebammen, Trägern, Elterninitiativen, Beratungsstellen aber auch Sportvereinen bieten Kurse, Beratung oder soziale Events für werdende und junge Eltern an. Die Verwaltung wird beauftragt alle Angebote für werdende und junge Eltern mit Kindern unter drei Jahren zu ermitteln. Egal ob Beratungsstellen, die Familien- und Kinder Servicebüros, das Jugendamt des Landkreises, Elternkurse, Familienhebammen, Babyschwimmen, Stillkurse, Schwangeren-Yoga: alle Angebote im Landkreis werden übersichtlich und geografisch geordnet auf einer bedienerfreundlichen Homepage gelistet. Vorhandene digitale Angebote, wie die Hebammenzentrale werden integriert. Die Homepage wird regelmäßig aktualisiert und mindestens halbjährlich ob ihrer Aktualität überprüft. Sie dient sowohl Eltern als Orientierung, zeigt aber auch Handlungsbedarfe für die Kreispolitik auf. Die GRÜNE Kreistagsfraktion bittet den Ausschussvorsitzenden eine weitere Einwohnerfragestunde nach dem Themenkomplex „Eltern werden, Eltern sein“ auf die Tagesordnung zu nehmen, damit anwesenden Gäste gegebenenfalls Fragen stellen können.

 

Begründung der Anträge: Die Situation von werdenden Eltern und ganz besondere Frauen hat sich durch die Schließung des Kreißsaals in der Helios-Klink Nordenham hier im Landkreis weiter zugespitzt. Geburtsvorbereitungskurse, Schwangerschaftskurse oder gar Stillkurse werden kaum bei uns angeboten. Fast alle werdenden Eltern kennen die Situation, dass es immer schwerer wird eine (passende) Hebamme zu finden. Andererseits sind manche Angebote für werdende und junge Eltern nicht bekannt. Hebammen, beklagen die mangelnde soziale, wie auch finanzielle Anerkennung für ihre wichtige Arbeit. Ihre Verbände warnen seit Jahren vor dem eingetretenen Hebammenmangel.

 

 

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